Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung
- 25 Jahre MQ Wien

Heute startet im MQ Freiraum die sehr sehenswerte Ausstellung “Vision & Widerstand – Wie das MuseumsQuartier Wien veränderte“ zum durchaus herausfordernden Entstehungsprozess des MQ Wien und anlässlich des 25jährigen Jubiläums. Sehr spannend und facettenreich kuratiert von Andreas Nierhaus, der zur Eröffnung treffend anmerkte, dass das Ringen zur Entstehung des größten Kulturprojekts der zweiten Republik durchaus den Stoff eins turbulenten Theaterstückes hergeben würde. Private Interessen, Intrigen, die zweifelhafte Rolle bestimmter Massenmedien, das Einknicken von Politikern und das Ringen um ein weltweit einzigartiges, offenes und inklusives Kulturquartier, das schlussendlich als Ergebnis eines demokratischen Prozesses der Beginn einer Erfolgsgeschichte wurde.

Ein Prozess, der nicht abgeschlossen ist, sondern der sich immer wieder verändern und auf neue Herausforderungen und Ansprüche reagieren kann. So hat MQ Direktorin Bettina Leidl mit großem Engagement die Vision eines energieeffizienten und klimaresilienten Kulturareals „MQ goes Green“ (z.B. mit D\D Landschaftsplanung) als fortlaufenden Transformationsprozess in Umsetzung gebracht. Ein Prozess, der bei den zahlreichen Besucher:innen auf eine sehr positive Resonanz stößt. Und auch das gestern wiederholte, politische Bekenntnis zur Erweiterung des Museumsbezirks für die neuen Räumlichkeiten des „Haus der Geschichte Österreich“ (geplant von O&O Baukunst) veranschaulicht die fortlaufende Veränderung als Konstante der Entwicklung. Im Vorfeld der Jubiläums-Ausstellung durfte architektur in progress in Kooperation mit dem MQ Wien am 18. Juni zur Diskussion in die Libelle laden.

Nach dem sehr informativen Impulsvortrag von Ausstellungskurator Andreas Nierhaus entwickelte sich im Anschluss eine lebhafte Diskussion mit Franziska Leeb (Architekturpublizistin), Bettina Leidl (Direktorin MQ Wien) und Laurids Ortner (O&O Baukunst). Kaum zu glauben, dass noch 1991 Arik Brauer in einem Leserbrief im “Der Standard” den damaligen Kulturminister Erhard Busek beschwor dieses “Museumsmonster” unbedingt zu verhindern, da im Falle der Verwirklichung wir von unseren Nachfahren verflucht” würden. Hatte man in den 2000er Jahren mit 1 Mio. Besucherinnen gerechnet, so zieht heute der größte Kunst- und Kulturbezirk Europas 5 Mio. Besucherinnen an. Ganz wesentlich zur großen Akzeptanz hat die Vision von Laurids und Manfred Ortner einer “Agora”, eines offenen Kulturbezirks, beigetragen, der mit seinen umgebenden Stadtteilen verbunden ist.

Das MQ Wien hat sich zum barrierefreien und beliebten “Wohnzimmer der Stadt” entwickelt - auch für weniger kulturaffines Publikum, so Franziska Leeb, wo Mütter/Väter mit ihren Kindern oder junge Menschen flanieren und Gleichgesinnte treffen und dann doch durch die Angebote der Kulturinstitutionen motiviert werden. Laurids Ortner argumentierte, dass ein Museumsbezirk eine permanente Weiterentwicklung braucht und Kultur Zeichen setzen müsse. (Anm.: Künstlerische Visualisierungen der Ortner-Brüder dazu sind in der Ausstellung als großformatige Kreidezeichnungen zu sehen). Der Stellenwert von Kultur in Österreich und Europa als Ausdruck einer demokratischen Gesellschaft sollte gerade in international turbulenten Zeiten autokratischer Entwicklungen ein selbstbewusstes Gegengewicht setzen.

Bettina Leidl plädierte wiederum für die Öffnung des MQ Richtung Zweierlinie und eine zeitgemäße Entwicklung in der Erdgeschosszone des Fischer von Erlach-Traktes, sowie der Eingangssituationen. Auch die Wiesenflächen vor dem MQ seien gerade bei jungen Menschen sehr beliebt und die Verbindung zu KHM und NMH würde wohl mit der Änderung des Mobilitätsverhaltens auch neue, räumliche Möglichkeiten finden. Die Bedürfnisse junger Menschen untersuchte auch Wilfried Kuehn mit Studierenden der TU-Wien. Dieter Bogner wiederum schlug die Aufwertung und Sichtbarmachung der Kultur- und Bildungsinstitutionen um den Karlsplatz als “Kulturbezirk” vor, der sich über den Getreidemarkt mit dem MQ Wien verbinden könnte, um so international noch mehr Strahlkraft zu entwickeln. Launig auch die Diskussion mit Carl Pruscha, der verbindende Utopien im Untergrund Richtung Flakturm und Stiftskaserne anregte. Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, u.a. mit Eva Schlegel, Christoph Thun-Hohenstein, Hermann Czech, Anna Detzlhofer und vielen mehr, die zeigte, wie lebendig der stetige Veränderungsprozess bleiben muss, um auch für kommende Generation ein attraktiver Ort des (Kultur)Lebens zu sein.

 

Do, 18. Juni 2026, 19h
aip+ Diskussionsveranstaltung anlässlich der Jubiläumsausstellung „Vision & Widerstand“
zu 25 Jahren MuseumsQuartier Wien

Libelle MQ, 1070 Wien

architektur in progress in Kooperation mit dem MuseumsQuartier Wien

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